Gemeinsamkeiten mit Martin Luther

Luther aus katholischer Sicht kein Kirchenspalter

„Die katholische Kirche wäre heute nicht die Kirche, die sie ist, wenn es die Reformation nicht gegeben hätte!“ Dieses war die Kernaussage zum Thema „Die Reformation aus katholischer Sicht“ mit Dr. Burkhard Neumann vom Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn.

Rund 70 Besucher, unter ihnen Matthias Paul von St. Paulus und Susanne Paul von der Martin-Luther-Gemeinde Ehlershausen, konnte die St. Nikolaus-Pfarrgemeinde an diesem Abend zu einem interessanten Thema begrüßen.

Das 500. Jahr nach der Reformation, das Jahr 2017, nannte Neumann als ein Jahr in dem es „luthert“. Es gibt den Luther-Hammer, das Luther-Bier, die Luther-Socken sowie die Playmo-Lutherfigur. Das Jahr 2017 ist aber mehr, als nur ein Jahr in dem es luthert. Neumann machte deutlich, dass sich das Verhältnis der katholischen Kirche zu Luther im Laufe der Jahrhundert gravierend verändert hat. Als letzten Beleg dafür ist der Besuch von Papst Franziskus beim lutherischen Weltbund im schwedischen Lundt zu sehen, bei dem der Papst während des gemeinsamen Gottesdienstes mit roter Stola, der liturgischen Farbe der Reformation, auftrat. Als unglücklich empfand es Neumann, dass die entscheidenden Aussagen von Papst Benedikt XVI. zu Luther und damit zur Ökumene bei seinem Besuch in Erfurt hinter verschlossenen Türen stattfanden. Benedikt sagte dabei unter anderem, in seiner Ansprache im Augustinerkloster, in dem Luther im Jahr 1507 zum Priester geweiht wurde und würdigte damit zugleich den Reformator. „Luther habe die Frage nach Gott umgetrieben, diese Frage sei "Leidenschaft und Triebfeder seines Lebens und seines Weges" gewesen: "Theologie war für ihn keine akademische Angelegenheit, sondern das Ringen um sich selbst, und dies wiederum war ein Ringen um Gott und mit Gott." Als Fehler der Vergangenheit benannte der Papst, "dass wir weithin nur das Trennende gesehen und gar nicht existenziell wahrgenommen haben, was uns mit den großen Vorgaben der Heiligen Schrift und der altchristlichen Bekenntnisse gemeinsam ist". Es sei "ein großer Fortschritt, dass uns diese Gemeinsamkeit bewusst geworden ist". Die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die von römisch-katholischen und evangelisch-lutherischen Theologen erarbeitet und am 31. Oktober 1999 in Augsburg feierlich unterzeichnet wurde, war zugleich der Höhepunkt dieser Annäherung zwischen den Konfessionen. Es war zudem das Ergebnis des 2. Vatikanischen Konzils nach dem der Beginn der Ökumene 1967. Schon Papst Paul II hatte zu Luther gesagt, „das der hohe Stellenwert seiner Forderungen nach einer schriftnahen Theologie und seines Willen zu einer geistlichen Erneuerung der Kirche geführt hat.“ Das zeigt, so Neumann, dass sich die Päpste seit dem 2. Vatikanischen Konzil im Bezug auf Luther und die damit verbundene Ökumene ganz im Gegensatz zu früheren Äußerungen, in denen Luther als Kirchenspalter, als Ketzer und als ein moralisch verkommenes Subjekt, wie Heinrich Denifle es formulierte, bezeichnet wurde, gewandelt haben. Luther kann man nur im Kontext anderer Reformationen verstehen.

Und die Reformation hatte eine Vorgeschichte. Dieses war die zweite Botschaft des Abends. Neumann machte im Bezug auf heute aber auch deutlich, dass die Ökumene unumkehrbar ist. Die Bedeutung der Gemeinsamkeiten sei daher größer anzusehen, als die noch ungeklärten Fragen. Und doch sei es wichtig, wie z. B. die Themen: Gemeinsames Abendmahl, die Problematik bei wiederverheirateten Geschiedenen in der katholischen Kirche sowie die Frage nach der Frauenordination weiterhin auf den Weg zu bringen.

Einhelliger Tenor des Abends aber war, dass es ein enormer Fortschritt ist, dass wir gemeinsam die Reformation feiern dürfen. In der Ökumene hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel bewegt. Vor allem auf örtlicher Ebene. Das Thema wird auch zukünftig spannend bleiben. Ob es letztendlich zu einer Kirche führen wird, oder aber es die Konfessionen der Verschiedenheiten in ökumenischer Anpassung geben wird, das wird die Zeit entscheiden.

Text: Wolfgang Obst