Frauen von St. Nikolaus fordern völlige Gleichberechtigung

Das gab es am vergangenen Sonntag in der Pfarrkirche von St. Nikolaus Burgdorf seit über 80 Jahren noch nicht. Zwar läuteten die Glocken, wie jeden Sonntag zum 11 Uhr Gottesdienst, aber kein Blumenschmuck und kein Licht der Kerzen zierten den Altarraum. Das Gotteshaus war nur schwach in den hinteren Reihen besetzt und dieses fast ausschließlich mit Männern. Die Frauen der Gemeinde folgten dem Aufruf der Initiatoren „Maria 2.0“ und versammelten sich zunächst auf dem Kirchplatz, um ihren Protest für eine Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche so-mit zum Ausdruck zu bringen. Darunter auch viele evangelische Mitchristinnen. Pfarrer Martin Kar-ras Weg führte dann auch nicht wie gewohnt von der Sakristei zum Altar sondern zu den Frauen auf dem Kirchplatz. Karras betonte in kurzen Worten, dass die Frauen mit ihrer Aktion der Gemeinde keinen Schaden zufügen, sondern die Bedeutung der Frauen in der katholischen Kirche herausheben wollen. Karras machte zudem deutlich, wie es aussehen würde, wenn ein Gottesdienst ohne die Gestaltung der Frauen abgehalten werde. Die Zeit ist überfällig, dass Frauen nicht nur die gleichen Pflichten wie Männer haben, sondern auch die gleichen Rechte wie sie erhalten.

Zusammen mit Martin Karras, dem vor der Kirche abgelegten Blumenschmuck, zog die Frauengemeinschaft anschließend in die Kirche. Barbara Gebbe vom Pfarrgemeinderat begrüßte in ihrer Ansprache an die Gemeinde zwar, dass 30 Prozent der mittleren Ebene mit Frauen besetzt werden sollen. Ein Weiheamt aber ist auch weiterhin ausgeschlossen. Warum eigentlich nicht? Sie bemängelte zudem, dass Ämter für Frauen in der Kirche immer noch von Männern abhängig sind. Sie sagen, was Frauen zu machen haben, dieses obwohl das Grundgesetzt in Artikel 3 deutlich aussagt, alle Menschen sind gleich. Die katholische ist da eine rühmliche Ausnahme. Der Vatikan hat als einer der wenigen Staaten der Erde das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau nicht unterzeichnet. 184 Staaten haben es. Es basiert auf der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948.

Nach der Forderung über die schonungslose Aufklärung des sexuellen Missbrauchs, der Vertuschung durch die Bischöfe, ist die Forderung der Frauen jetzt, der Verzicht auf das Pflichtzölibat und die Mitentscheidung über Weiheämter das dringendste Gebot der Stunde. Karin Klüsener fragte, warum Frauen der Weg zur Kanzel versperrt ist, keine Salbungsdienste vorgenommen werden dürfen, Brot und Wein zur Wandlung nicht hochgehalten werden dürfen und sie, die Frauen, nicht, wie der männliche Priester, den Altar nicht küssen dürfen.

Die Frauen erinnerten ihre Kirche daran, dass das Argument des Klerus, Jesus war ein Mann und habe ausschließlich männlichen Apostel um sich geschart, daher stehe den Frauen, so wie es Papst Johannes Paul II verkündet hat, den Frauen kein Weiheamt zu, weit hergeholt sei. Jesus aber war auch Wanderprediger, er habe Menschen geholfen habe, sie alle gleichbehandelt und sie fragten, wer weiß denn wen Jesus in seiner Nachfolge wollte. In den von ihnen vorgetragenen Zitaten aus den verschiedensten Bistümern zu den dringendsten Fragen der Frauen fiel lediglich die des Sprechers des Bistums Dresden-Meißen aus dem Rahmen. Dieser erklärte, dass die Forderung nach der Weihe von Frauen zu Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen "der Tradition und Lehre unserer Kirche" entgegenstehe. Worte, die die Gemeinde mit völligem Unverständnis aufnahm. Bischof Heiner Wilmer dagegen sieht in der Aktion Maria 2.0 eine ganz tiefe Verletzung der Frauen. Sie fühlen sich in der Kirche nicht so angenommen, wie es ihrem Einsatz entspricht.

Die Frauen von St. Nikolaus plädierten mit ihrer Aktion dafür, endlich ein gleichberechtigtes Mitglied der katholischen Kirche sein zu wollen und nicht schmückendes Beiwerk.

Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Chor New Hymn.

Text: Wolfgang Obst