Burgdorf gedenkt der Opfer von Krieg und Gewalt

Vor 75 Jahren, am 24. Februar 1945, griffen alliierte Kampfbomber gegen 13 Uhr Burgdorf an. 30 Menschen, darunter 11 Kinder fanden im Bombenhagel den Tod. Lina Bank, Erna Brandes, Hildegard von den Ecken, Ida Fuhrmann, Elisabeth, Marion und Elke Göbel, Anita Görzig, Ernestine Goldmann, Ottilde, Siegfrid und Rolf-Dieter Grethe, Emilie, Friedrich und Manfred Lange, Mathilde Meyer, Luise und Franziska Möhle, Meta Müller, Friedhelm Müller, Elisabeth, Günther und Manfred Nelius, Edith Paes, Emma Richter, Ottilie Schröder, Dora Teuber, Ruth Truckenbrodt, Ernst Wagenschieffer, Friederike Wietfeldt.

Unter dem Geläut der Glocken aller Burgdorfer Kirchen entzündete Pastor Matthias Paul am vergangenen Montag am Altar in St. Pankratius zu dem Zeitpunkt, als die Bomben fielen, 30 Lichter im Gedenken an die zu Tode gekommenen an. Wir haben 30 Kerzen entzündet. Eigentlich müssten wir viel mehr anzünden, wenn wir nur an die Opfer des Krieges und der Gewalt in unserer Stadt denken. Eigentlich sollten wir Millionen Kerzen anzünden. Allein für die Toten der Sowjetunion 21 Millionen. Es ist so wichtig, Namen und Schicksale zu kennen. Jede und jeder einzelne hatte einen Namen. Ein Gesicht. Eine Lebensgeschichte. Einen Vater und eine Mutter. Viele hatten Kinder oder waren selbst Kinder.

Heute vor 75 Jahren der erste Bombenangriff auf Burgdorf - nach einzelnen Abwürfen aus unterschiedlichen Gründen. Am Sonnabend ist der Erinnerungsweg diesem im Einzelnen nachgegangen. Die Namen aller Opfer sind genannt. Und werden nicht vergessen! Der Zweite Weltkrieg hat eine Vorgeschichte - und natürlich eine Nachgeschichte. In dieser Nachgeschichte haben auch wir heute unseren Platz. Es ist das Gift des Rassismus. Des völkischen und nationalistischen Denkens, das die Wurzel des Zeiten Weltkrieges war. Und der Gewalt ist. Dieses Gift wirkt weiter. Auch nach 1945. Auch 2020. Das NS-Regime war ein System des staatlich sanktionierten Rassismus. Vertreter des Staates waren offen rassistisch und haben dieses Gift benutzt, um so etwas wie eine Volkgemeinschaft zu behaupten. Zu der man gehört. Oder zu der man angeblich nicht gehört. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch. Das wusste Bertold Brecht Anfang der 50er Jahre. Und es gilt heute mehr denn je. Rassismus ist ein gesellschaftliches Gift. Ich bin sehr dankbar, dass Bundeskanzlerin Merkel das so deutlich benannt hat. Ein anderes Bild ist das des Rassismus als Virus. Denn Rassismus steckt an. Vor allem bei denen, die sich zur vermeintlichen Mehrheitsgesellschaft zählen. Gegen diese Ansteckungsgefahr müssen wir vorgehen. Täglich immer wieder. Rassismus ist nicht, wenn ich etwas böse meine. Sondern Rassismus ist, vermeintliche natürliche Merkmale zu instrumentalisieren, um Menschen letztlich willkürlich einzuteilen. Wir halten dagegen: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Diese Lehre haben die Väter und Mütter des Grundgesetzes aus dem Grauen der NS-Zeit gezogen. Auch aus den Trümmern unserer Heimatstadt Burgdorf, auch aus der Trauer um die Opfer des Bombenangriffs vor 75 Jahren. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt es zu verteidigen, so Matthias Paul in einer Andacht am Tag es Bombenabwurfes vor 75 Jahren auf Burgdorf.

Text: Wolfgang Obst