„Arbeitskreis Gedenkweg 9. November“,

Liebe Freundinnen und Freunde des „Arbeitskreis Gedenkweg 9. November“,

in diesem Jahr ist alles anders: zum ersten Mal seit 32 Jahren werden wir mit Rücksicht auf die Pandemielage keinen öffentlichen Gedenkweg zur Erinnerung an den 9. November 1938 abhalten. Vielmehr werden sich nur einige wenige Mitglieder das Arbeitskreises Gedenkweg stellvertretend zu einem stillen Gedenken auf dem Jüdischen Friedhof versammeln. Umso wichtiger ist es mir, Sie an das Datum zu erinnern und Sie zu einem persönlichen Gedenken mit einem Impuls von Simone Weber, Kirchenvorsteherin in St. Pankratius, einzuladen.

Ausgangspunkt von Frau Webers Impuls ist das jiddische Lied „Dos Kelbl“, das manche un¬ter dem Titel „Donna, Donna“ aus jugendbewegten Zeiten oder in der Version von Joan Baez kennen mögen (https://www.youtube.com/watch?v=BYnKll5PD3A&feature=youtu.be auf Youtube). Harmlos kommt es daher mit der schlichten Erzählung von einem Kälbchen, das vom Bauern auf den Wagen geladen und zum Schlachten gekarrt wird. Die Häme des Bauern über die Hilflosigkeit des Kälbchens wird übertüncht von der Gefälligkeit der Melodie: Wärst du ein Vögelchen, könntest du davonfliegen – selbst schuld, wenn du dich schlachten lässt!

Rita Ilse de Vries war solch ein Kälbchen. Die Enkeltochter von Emil und Berta Cohn aus Burgdorf wurde mit neun Monaten am 23. Juli 1943 in Sobibor zusammen mit ihren Eltern ermordet. Frau Webers Tochter ist im November 2020 genauso alt wie Rita Ilse damals. Auch in ihrem Namen ruft Frau Weber auf, für das „Nie-Wieder“ einzustehen.

Am 9. November 2021 hoffen wir, für Rita Ilse und ihre Mutter Gertrud Stolpersteine in Burgdorf verlegen zu können – so die Pandemielage es dann erlauben wird.

Bleiben Sie/bleibt gesund!
Judith Rohde 

Impuls zum 09. November_Simone Weber_2020