Abschied von Kaplan David Bleckmann

Liebe Gemeinde

Es war der Januar 2019, als ich zu Ihnen nach St. Bernward und St. Martin als Kaplan gekommen bin. Es war eine Welt, die Covid-19 noch nicht kannte. 2020 kamen Sie in St. Nikolaus dazu. Was ist in unseren Pfarreien in dieser Zeit alles passiert? Die Perspektive von vielen Menschen würde ein buntes Bild abgeben, eine Zusammenschau vieler Geschichten: fröhliche, traurige, trockene, geisterfüllte, niederschlagende und aufbauende,…

Viele von Ihnen habe ich kennenlernen dürfen, vor, trotz und mit Corona; durch die Feier der Hl. Messe und anderer Gottesdienste, durch Begegnungen daheim bei Ihnen, in den Altenheimen oder im Pfarrhaus; viele Geschichten durch Gespräche anlässlich von Taufe, Ehe und Trauer, in der Firmkatechese, bei den Minis, in den Schulgottesdiensten oder einfach so.

Durch Ihr Engagement in den Gremien oder außerhalb davon. Es waren kurze Begegnungen, einmalige und manchmal längere. Mehr als einmal habe ich die Erfahrung machen dürfen, dass wir als Kirche Jesu Christi einen einzigen Leib bilden, in dem wir alle aufeinander angewiesen sind. Der Heilige Geist kann dort gut wirken, wo wir bei aller Unterschiedlichkeit die Bereitschaft aufbringen, gemeinsam auf Christus zu schauen und aus dem Evangelium heraus zu leben.

Daher lag mir auch besonders diese Ausrichtung auf den eucharistischen Herrn am Herzen. Durch IHN bleiben wir letztlich alle mit Christus und untereinander verbunden.

Wen das Evangelium durch mich erreicht hat? Ich weiß es nicht. Es stimmt mich demütig, zu wissen, dass ich zwar versucht habe, als Mensch und Priester, für Sie da zu sein. Dass ich mit Ihnen und für Sie gebetet habe. Dass Gott auch aus meinen Begrenzungen, Gutes machen kann. Dass ich aber keinen Einfluss darauf habe, wie Gottes Wort in Ihnen Frucht bringt. Jesus fasst diese Erfahrung in ein Gleichnis: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. (Mk 4,26f) Vielleicht kann Ihnen dieses Bibelwort in einer für unsere Kirche nicht einfachen Zeit auch Halt und Hoffnung geben.

Ich blicke jedenfalls mit Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurück, in denen ich herausgefordert wurde, aber auch immer wieder beschenkt worden bin. Dankbar bin ich auch für das Vertrauen, das Sie mir entgegengebracht haben.

Wenn ich Sie jetzt nach den Sommerferien verlasse, werde ich Pfarrer in Holzminden und eine neue Aufgabe wartet auf mich.

Für diese Aufgabe bitte ich Sie um Ihr begleitendes Gebet.

Gott segne Sie!

Ihr Kaplan